Offene Landschaft mit Gehölzen, Gebüschen und Feldgehölzen
Säugetiere
Reh
Die kleinste heimische Hirschart, das Reh (Capreolis capreolis L.), hat eine Schulterhöhe von etwa 60–75 cm und ein Körpergewicht von 20–30 kg. Typisch sind das rotbraune Sommerfell, das graubraune Winterfell und der weiße Spiegel am Hinterteil; Rehböcke tragen ein kleines, jährlich erneuertes Gehörn.
Feldhase
Der Feldhase (Lepus europaeus Pallas) kommt flächendeckend in Niedersachsen vor, die Dichten unterscheiden sich aber deutlich. Höchstwerte liegen im Westen/Nordwesten und in bestimmten Börden (ca.100 pro km2 in 2023), die geringsten Besatzdichten werden in den Landkreisen im südlichen und östlichen Niedersachsen (ca.14 pro km2 in 2023) festgestellt. Schätzungen zufolge leben mindestens etwa zwei Millionen Feldhasen in Deutschland.
Steinmader
Der Steinmader (Martes foina) ist ein sehr anpassungsfähiger, überwiegend dämmerungs- und nachtaktiver Kulturfolger, der als omnivorer Kleinsäuger eine wichtige Rolle in Stadt- und Kulturlandschaften spielt, aber auch Konflikte mit dem Menschen verursacht.
Hausschaf
Vor etwa 10.000 Jahren wurden Hausschafe (Ovis gmelini aries L.) aus Mufflon-Vorfahren domestiziert und dienten in erster Linie als Nutztiere für Wolle, Fleisch und Milch. Durch Beweidung strukturieren Schafe die Vegetation, verhindern Verbuschung und fördern Insektenhabitate.
Fuchs
Füchse (Vulpes vulpes L.) bewohnen Wälder, Grasländer, Äcker und zunehmend Siedlungen. Sie ernähren sich in Siedlungsgebieten von Müll, Ratten, Fallobst, Parkkaninchen und Abfällen, was eine stabile Versorgung auch für Jungtiere ermöglicht; sie agieren dabei eher als Sammler und nicht als Jäger. Fehlende Konkurrenz und Feinde fördern Wachstum, mit Dichten,die bis zu 15-mal höher als im Umland sind.
Vögel
Mäusebussard
Einer der häufigsten Greifvögel in Niedersachsen, der Mäusebussard (Buteo buteo L.), erreicht eine Körpergröße von 48–56cm bei einer Flügelspannweite bis 130cm und wiegt 800–1000g. Mäusebussarde bevorzugen halboffene Landschaften wie Waldränder, Feldgehölze, Ackerflächen und Parks, oft in der Nähe von Offenland zur Jagd.
Rotkehlchen
In Niedersachsen ist der Bestand des Rotkehlchens (Erithacus rubecula L.) stabil oder nimmt zu. Doch saurer Regen, Insektizide und Lebensraumverlust durch Intensivlandwirtschaft gefährden lokale Populationen. Schutzmaßnahmen wie naturnahe Gärten fördern sie effektiv. Die Vögel ernähren sich hauptsächlich von bodenlebenden Insekten, Larven, Würmern, Spinnen und Schnecken, die sie im Unterwuchs suchen. Im Winter ergänzen Beeren die Nahrung. Sie sind territorial und singen ganzjährig,
Turmfalke
Brutplätze des Turmfalken (Falco tinnunculus L.) gibt es in Städten vor allem an Kirchtürmen, Masten, Schornsteinen und Hochhäusern, auf dem Land nutzen sie Felsspalten, alte Krähen- oder Elsternnester in Feldgehölzen. Bekannt für den charakteristischen Rüttelflug in 10–20 Metern Höhe, jagt der Turmfalke hauptsächlich Kleinnager wie Feldmäuse, Insekten und Vögel, wobei er UV-Licht zur Beutefindung nutzt. Die Balz findet von März bis April statt, mit lautem Rufen und spektakulären Flügen der Männchen.
Rauchschwalbe
Eine verbreitete Schwalbenart, die Rauchschwalbe (Hirundo rustica L.), ist bekannt als typischer Kulturfolger, der eng mit menschlichen Siedlungen verbunden lebt. Sie brüten bevorzugt in ländlichen Ställen oder Scheunen mit offenen Fenstern, wo sie napfförmige Nester aus Lehm und Stroh bauen. Sie meiden städtische Zentren und benötigen offene Wiesen oder Gewässer zur Nahrungssuche. Bestandsrückgänge durch Insektenschwund, moderne Ställe ohne Einfluglöcher und Nestzerstörung bedrohen die Bestände der Rauchschwalbe, die in Deutschland auf Vorwarnlisten steht.
Rotmilan
In Südniedersachsen ist der Rotmilan (Milvus milvus L) insbesondere im Leinebergland, der Börde bei Salzgitter und Wolfenbüttel sowie nahe dem Harzrand, gut verbreitet und erreicht hier lokal hohe Bestandsdichten. Niedersachsen verwaltet 7-9 % des deutschen Rotmilanbestands (mit etwa 520 Brutpaaren) wobei Südniedersachsen zu den Schwerpunkten gehört.
Rebhuhn
Früher prägte das Rebhuhn (Perdix perdix L.) mit seinem markanten Ruf die Felder als Kulturfolger in kleinstrukturierten Fluren mit Rainen und Hecken. Es diente als Indikator für eine artenreiche, vielfältige Landschaft. Seine Populationen sind durch intensive Landwirtschaft, Habitatzerstörung und Prädatoren stark zurückgegangen. In Niedersachsen sank die Brutpaardichte von 0,74 Paaren pro km² (2009) auf 0,27 Paaren pro km² (2019).
Zaunkönig
Der Zaunkönig (Troglodytes troglodytes L.) ist ein kleiner Singvogel, der in dichtem Unterholz und krautigen Habitaten häufig anzutreffen ist. Er bevorzugt deckungsreiche Lebensräume mit hoher Insektenverfügbarkeit. Er ist einer der kleinsten Vögel Europas und in Niedersachsen häufig anzutreffen. Zaunkönige fressen Insekten, Spinnen, Weberknechte, Larven und kleine Krebstiere, die sie geschickt in Rindenspalten oder Bodennähe aufspüren. Männchen jagen auch in Baumkronen, Weibchen bleiben bodennah.
Insekten
Großer Schneckenspinner
Die Raupen des Großen Schneckenspinner (Apoda limacodes Hufn.) fressen Blätter von Eichen, Hainbuchen, Rotbuchen und Bergahorn. Sie fallen mit den Blättern ab und verpuppen sich in festen Kokons am Boden. Falter erreichen eine Flügelspannweite von 20–30 mm; Männchen sind hellbraun mit trapezförmigen Flächen auf den Vorderflügeln, Weibchen ockergelb. Raupen sind flach, grün mit gelben Punkten und Längsstreifen,
Großer Gabelschwanz
Die Falter erreichen eine Flügelspannweite von 58 bis 75 mm, mit weißlich-grauen Vorderflügeln, die wellenförmige dunkle Linien zeigen, und hellgrauen bis transparenten Hinterflügeln. Die Raupe wird bis zu 80 mm lang, ist hellgrün mit schwarzbrauner Rückenzeichnung und besitzt am Hinterleibende eine ausstülpbare, rote Gabel sowie um den Kopf einen roten Ring mit Scheinaugen. Der Große Gabelschwanz (Cerura vinula L.) ist nachtaktiv und fliegt von Ende April bis Juli.
Rosen - Gallwespe
Die Weibchen der Rosen – Gallwespe (Diplolepis mayri Schlechtendahl) legen im Mai bis Juni Eier in Blattknospen oder Triebe von Rosen. Die Larven fressen Pflanzengewebe und lösen so die Bildung von galligen Auswüchsen aus, die bis zu 10 cm groß werden und mehrere Kammern enthalten. Die Larven überwintern in der Galle, verpuppen sich im Frühjahr und schlüpfen als Imagines.
Dunkelgrauer Zahnspinner
Mischwälder, Laubwaldränder und Parkanlagen mit Eichen bieten ideale Bedingungen für die Raupen des Dunkelgrauen Zahnspinners (Drymonia ruficornis Hufn.). In Buchen- und Eichenmischwäldern, wie sie in Niedersachsen vorkommen, trägt sie zur Nahrungskette bei und signalisiert stabile Waldökosysteme.
Kamel Zahnspinner
Ausgewachsene Tiere haben eine Flügelspannweite von 30–45 mm. Ihre gelblich-braunen bis rötlich-braunen Flügel weisen feine schwarze Zickzacklinien auf, und auf dem Thorax befindet sich ein markanter Haarbüschel, der an einen Kamelhöcker erinnert – daher der deutsche Name Kamel Zahnspinner (Lophopteryx camelina L). Die Raupen erreichen eine Länge von 30 mm und zeigen variable grüne, gelbe, rosabraune oder rötliche Farbtöne mit gelben, rot gepunkteten Seitenstreifen und auffälligen roten Höckern auf den Hintersegmenten.
Blattwespe
Die Blattwespe (Macrophya alboannulata A. Costa) fliegt von Mitte April bis Juli. Ihre Larven fressen an den Blättern verschiedener Holunder-Arten, insbesondere an Schwarzem Holunder, während Imagines Pollen, Nektar und Honigtau zu sich nehmen.
Schlehen-Bürstenspinner
Die auffälligen behaarten Raupen vom Schlehen-Bürstenspinner (Orgyia antiqua L.) mit gelb-braunen Bürstchen sind oft das sichtbarste Stadium. Die Raupen fressen an vielen Laubbäumen und Sträuchern wie Eiche, Birke, Weide, Schlehe oder Himbeere,
Die Art bildet meist zwei Generationen pro Jahr, wobei Männchen von Juni bis Oktober fliegen und Weibchen flügellos bleiben. Die Weibchen sitzen nach dem Schlüpfen am Puppenkokon, geben Pheromone ab und legen nach der Paarung 100–300 Eier.
Skorpionsfliege
Skorpionsfliegen sind überwiegend schattenliebende Boden‑ und Gebüschbewohner, deren Imagines sich vor allem von toten oder geschwächten Insekten und anderen Aasquellen ernähren. Die Larven ernähren sich im Boden von toter organischer Materie (Pflanzen, Tiere, Exkremente) und spielen damit eine wichtige Rolle als „Aufräumer“ in der Streu- und Krautschicht.
Blattwespe
Die Larven der Blattwespe (Platycampus luridiventris Fallen) zeichnen sich durch ihr extrem abgeflachtes, blattartiges Aussehen aus, das ihnen hilft, sich auf den Erlenblättern, von denen sie sich ernähren, zu tarnen. Ausgewachsene Tiere sind 7–8 mm lang, haben einen dunkelbraunen bis schwarzen Körper und helle Beine oberhalb der Knie; die Oberschenkel bleiben überwiegend schwarz.
Weidengallen Blattwespe (1)
Die ausgewachsenen Weibchen der Weidengallen Blattwespe (Euura proxima Serv.) sind klein (3–5 mm), glänzend schwarz mit gelblichen Beinen und durchsichtigen Flügeln. Sie legen ihre Eier in junge Weidenblätter und injizieren dabei ein Sekret, das rote, ovale, zunächst flache, später anschwellende Gallen (bohnenförmig, kompakt) verursacht. Die Larven entwickeln sich im Inneren, ernähren sich vom Blattgewebe und hinterlassen in späteren Larvenstadien Kotlöcher.
Weidengallen Blattwespe (2)
Die Galle der Weidengallen Blattwespe (Euura viminalis L.) befindet sich auf der Blattunterseite der Wirtspflanze. Sie ist im jungen Stadium eiförmig, wird mit zunehmender Reife kugelförmig, weist braune Warzen auf und ist in der Regel unbehaart. Sie kann einen Durchmesser von bis zu 5 mm erreichen und einen rötlichen Schimmer aufweisen. Auf der Blattoberseite befindet sich eine bräunliche, kreisförmige Vertiefung. Die Gallen kommen an den Blättern der Purpurweide vor.

