Grünland, Wiesen, Weiden und Feuchtgebiete

Säugetiere

Hausrind

Die Domestikation des Auerochsen zum Hausrind (Bos Taurus L.) war ein Meilenstein der neolithischen Revolution (beginnend vor ca. 11.000 Jahren) und hat die Entwicklung sesshafter Ackerbaukulturen entscheidend unterstützt. In Weide- und anderen Kulturlandschaften prägen Hausrinder durch Beweidung die Vegetationsstruktur und fördern teils artenreiche, kurzrasige Graslandschaften. Sie beeinflussen Nährstoffkreisläufe über Tritt, Fraß und Exkremente und schaffen Mikrohabitate für Insekten, Bodenorganismen und Vögel.

Hauspferd

Das Hauspferd (Equus caballus L.) spielt eine zentrale Rolle in der ökologischen Landschaftspflege, insbesondere durch Beweidung, die die Biodiversität des Grünlandes fördert. In Niedersachsen bewirtschaften Pferdehalter 15–20% des Grünlandes. Studien zeigen, dass kontinuierliche Pferdebeweidung höhere Pflanzenvielfalt erzeugt als Rinderbeweidung (dank selektivem Fraß und Grasnarbenheterogenität).

Feldmaus

Ein kleines Nagetier aus der Familie der Wühlmäuse, die Feldmaus (Microtus arvalis Pallas), lebt in offenen Landschaften wie Wiesen, Feldern und Gärten. Sie spielt eine wichtige ökologische Rolle als Beutetier für Greifvögel, Eulen und Raubsäuger. Feldmäuse fördern die Biodiversität, indem sie durch Graben und Fressen von Gras sowie Kräutern den Boden belüften und Nährstoffe umsetzen.

Hausziege

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen betont den Beitrag von Ziegen (Capra aegagrus hircus L.) zur Erhaltung von Magerbiotopen und Natura-2000-Gebieten durch extensive Bewirtschaftung. Sie fördern die Biodiversität durch gezielte Beweidung, indem sie Verbuschung verhindern und artenreiche Offenlandschaften erhalten. Sie fressen vorzugsweise Sträucher, Brombeeren und junge Bäume, wodurch Licht zum Boden durchdringt.

Schermaus

In ganz Mitteleuropa spielt die Schermaus (Arvicola terrestris Lacépède) eine Schlüsselrolle in der Biodiversität aquatischer und terrestrischer Ökosysteme, wo sie als Bodeningenieur und Nahrungsquelle für Prädatoren dient. Schermäuse graben ausgedehnte Gangsysteme, die Böden belüften, drainieren und die Fortbewegung anderer Organismen erleichtern, was die Bodenfruchtbarkeit und Mikrohabitatvielfalt steigert.

Vögel

Teichrohrsänger

Der Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus Herrmann) ist ein kleiner Singvogel, der eng an Schilf- und Röhrichtbestände gebunden ist und als Indikatorart für intakte Feuchtgebiete gilt. Er repräsentiert eine gesamte Lebensgemeinschaft in Röhrichten, da er vorjährige Schilfbestände an Teichen, Gräben, Flussufern und Altwässern bevorzugt und durch seinen rhythmischen Gesang die Gewässerlandschaften belebt. In Niedersachsen ist er weit verbreitet und in geeigneten Habitaten häufig.

Stockente

In Niedersachsen ist die Stockente (Anas platyrhynchos L.) nahezu landesweit verbreitet, sowohl als Brutvogel als auch als Zug- und Wintergast. Im Winterhalbjahr verstärken Zugvögel aus Nord- und Osteuropa die Bestände, sodass an großen Binnengewässern und Flussabschnitten hohe Rastzahlen erreicht werden.

Graureiher

In Deutschland besiedelt der Graureiher (Ardea cinerea L.), auch Fischreiher genannt, vor allem Flachwasserzonen von Seen, Teichen, Flüssen, Gräben und Feuchtwiesen. Er ist praktisch flächendeckend, vielerorts auch im Siedlungsraum, etwa an Park- oder Klärteichen zu beobachten

Weißstorch

Der Weißstorch (Ciconia ciconia L.) ist in Niedersachsen eine verbreitete, teils charakteristische Brutvogelart der Niederungslandschaften mit aktuell stabilem bis zunehmendem Brutbestand. Als Lebensraum bevorzugt werden extensiv genutzte Feuchtwiesen, Weiden, Flussauen und Gewässerrandbereiche mit reichlich Amphibien, Insekten und Kleinsäugern als Nahrung.

Wasseramsel

Die Wasseramsel (Cinclus cinclus L.) ist der einzige heimische Singvogel der regulär schwimmt und unter Wasser taucht, um am Gewässergrund nach Wirbellosen zu suchen. Sie kommt in Südniedersachsen lokal an geeigneten Fließgewässern vor, vor allem an schnellströmenden, strukturreichen Bächen und Flüssen mit guter Wasserqualität.

Bässhuhn

Das Blässhuhn (Fulica atra L.), auch Blässralle genannt, ist ein mittelgroßer sehr häufiger Wasservogel aus der Familie der Rallen. Es hat einen kompakten rundlicher Körper, ist überwiegend schiefergrau bis schwarz gefärbt. Der schwarze Kopf hat ein auffälliges weißes Stirnschild („Blesse“) und einen weißen, leicht rosagetönten Schnabel.

Schafstelze

Typische Brutlebensräume der Schafstelze (Motacilla flava L.) sind kurzrasige, feuchte bis nasse Wiesen und Weiden, Nassgrünland in Flussniederungen, Moorgrünland sowie feuchte Brachen und Randbereiche von Sümpfen. In Weidegebieten folgt die Art häufig Rindern oder Schafen und liest aufgescheuchte Insekten auf, was ihr im Deutschen den Namen Schafstelze eingebracht hat.

Haubentaucher

Eine elegante Erscheinung auf offenen Gewässern Ist der Haubentaucher (Podiceps cristatus L.), er ist der größte heimische Lappentaucher. Er hat keine Schwimmhäute sondern breite Schwimmlappen. Haubentaucher erreichen eine Länge von 46–51 cm, eine Flügelspannweite von 59–73 cm und wiegen bis zu 1,4 kg. Sie tauchen bis ca. 40 m tief und bis zu einer Minute lang. Sie jagen Fische, Insekten oder Krebse unter Wasser.

Grauammer

Die Art bevorzugt offene Agrarlandschaften mit Feldrainen, Brachen, Wiesen und niedrigen Sträuchern. Die Vorkommen der Grauammer (Emberiza calandra L.) sind in Südniedersachsen extrem selten und unregelmäßig. Die Art gilt in der Roten Liste Niedersachsen als „vom Aussterben bedroht“.

Amphibien und Reptilien

Geburtshelferkröte

Nahrung der überwiegend dämmerungs- und nachtaktiven Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans Laurenti) sind vor allem Insekten, Spinnen, Würmer und Schnecken. Die Geburtshelferkröte kommt in Steinbrüchen, Abgrabungen, Bahndämmen, Trockenmauern, Gärten und Weideland mit vielen Spalten und Höhlen, meist in sonnenexponierter, eher vegetationsarmer Umgebung vor. Sie gilt in weiten Teilen Deutschlands als stark gefährdet und ist streng geschützt.

Zauneidechse

In Niedersachsen ist die Zauneidechse (Lacerta agilis L.) noch weit verbreitet, erreicht aber nur lokal z.B. im Weser-Leine-Bergland hohe Dichten. Die Zauneidechse ist in Deutschland eine besonders und streng geschützte Art nach Bundesnaturschutzgesetz und Bundesartenschutzverordnung.

Ringelnatter

Typische Lebensräume der Ringelnatter (Natrix natrix L.) sind Feuchtgebiete wie strukturreiche Feuchtwiesen, Nieder- und Hochmoorränder, langsam fließende und stehende Gewässer mit Röhricht, Ufergebüsch und Hecken. Die Ringelnatter ist in Niedersachsen noch relativ weit verbreitet, gilt dort aber als gefährdet und hat eine hohe Bedeutung als Leit- und Zeigerart für strukturreiche Feuchtlebensräume.

Teichfrosch

Der Teichfrosch (Pelophylax esculentus L.) ist eine weit verbreitete Hybridform aus Seefrosch und Kleinem Wasserfrosch, die in Niedersachsen häufig in Teichen und Stillgewässern anzutreffen ist. Diese tag- und dämmerungsaktiven Frösche halten sich nah an Gewässern auf, sonnen sich auf Wasserpflanzen und tauchen bei Störung in den Schlamm. Sie überwintern terrestrisch und nutzen eine breite Palette an Habitaten, von natürlichen Teichen bis zu künstlichen Gewässern.

Kreuzotter

Die einzige heimische Giftschlange in Deutschland, die Kreuzotter (Vipera berus L.), ist in Niedersachsen weit verbreitet.
Kreuzottern erreichen Längen von 50 bis 90 cm und haben ein charakteristisches Zickzackband auf dem Rücken. Sie häuten sich 2–3 Mal jährlich und erreichen eine Lebensdauer bis 15 Jahre.

Teichmolch

Die häufigste Molchart in Niedersachsen ist der Teichmolch (Lissotriton vulgaris L.), er bewohnt vielfältige Lebensräume wie Grünlandgewässer, Viehtränken, Abgrabungsgruben und sogar Gartenteiche in Siedlungsgebieten. Der Teichmolch ist wichtig für die Biodiversität, da er als häufigste Molchart eine Schlüsselrolle im Ökosystem spielt. Er kontrolliert Insektenpopulationen und dient als Nahrungsquelle für andere Tiere, was das ökologische Gleichgewicht in Gewässern unterstützt.

Insekten und Co.

Aurorafalter

Das Männchen des Aurorafalters (Anthocharis cardamines L.) trägt eine auffällige orangefarbene Spitze an den Vorderflügeln; Weibchen sind überwiegend weiß. Die Unterseite der Flügel zeigt olivgrün marmorierte Muster. Bevorzugte Lebensräume sind Feuchtwiesen, Uferbereiche, Gehölzsäume und sonnenbegünstigte Waldränder.

Wespenspinne

Eine auffällige Radnetzspinne mit charakteristischen gelb-schwarzen Streifen, die Wespenspinne (Argiope bruennichi Scop.), gehört zur Familie der echten Radnetzspinnen. Die Verbreitung der Wespenspinne reicht von Südeuropa bis Norddeutschland. Sie bevorzugt warme, sonnige Standorte wie Wiesen, Waldränder und Gärten.

Wegschnecke

Die Wegschnecken (Arionidae) haben im Laufe der Evolution ihr ursprüngliches Gehäuse weitgehend reduziert und sind zu Nacktschnecken oder „Halbnacktschnecken“ geworden. Es sind überwiegend Pflanzenfresser, die sich von lebendem und auch welkem Pflanzenmaterial ernähren. Einige Arten können in entsprechenden Populationsgrößen eine spürbare Schadwirkung auf Kulturpflanzen haben.

Märzfliege

Die Larven der Märzfliege (Bibio marci L,) leben überwiegend im Boden oder im Humusbett. Sie ernähren sich von verrottendem Pflanzenmaterial und tragen wesentlich zur Humusbildung bei. Die im Frühjahr schlüpfende Märzfliege, ernährt sich von Pflanzensäften und Nektar, sie übernimmt eine wichtige Rolle als Bestäuber zahlreicher Frühblüher. Sie tritt oft in großen Schwärmen auf und ist damit in bestimmten Landschaften sichtbar präsent.

Gebänderte Prachtlibelle

Die gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens Harris) lebt vor allem an langsam fließenden, sonnigen Bächen, kleineren Flüssen und krautreichen Kanälen mit guter Wasserqualität. Notwendig ist eine dichte Unterwasservegetation und Uferpflanzen, etwa Röhrichte, krautige Tauchblattpflanzen und ins Wasser hängende Gräser, die als Halt für Larven und als Sitzwarte dienen.

Körnerwanze

Ein großer räuberischer Laufkäfer der offenen Kulturlandschaft, die Körnerwanze (Carabus cancellatus Illiger), lebt vor allem auf Äckern, Wiesen und an Feldrainen. Die Käfer sind sehr laufstark und können in kurzer Zeit größere Distanzen am Boden überwinden, wodurch die Besiedlung von Agrarflächen und Saumbiotopen erleichtert wird.

Hain-Bänderschnecke

Die allgemeine Verbreitung der Hain-Bänderschnecke (Cepea nemoralis L.) umfasst West- und Mitteleuropa, wobei Deutschland und damit auch Niedersachsen im Verbreitungsschwerpunkt liegen. Sie besiedelt verschiedene Lebensräume z.B. Gärten, Parks, Friedhöfe, Wiesen, Gebüsch Säume, Mauern und Wälder. Die Hain-Bänderschnecke klettert auch auf Sträucher und Bäume.

Gemeiner Grashüpfer

Der Gemeine Grashüpfer (Pseudochorthippus parallelus Zetterstedt) ist eine häufige, sehr anpassungsfähige Feldheuschrecke die in Wiesen, an Wegrändern und anderen Graslebensräumen vorkommt. Sie lebt überwiegend einzelgängerisch und ernährt sich fast ausschließlich von pflanzlichem Material, vor allem von häufig vorkommenden Gräsern und Kräutern.

Grasglucke

Die Weibchen der Grasglucke (Euthrix potatoria L.) beginnen oft schon in der Dämmerung zu fliegen und werden wie viele Nachtfalter von Lichtquellen angezogen. Die Raupen leben an verschiedenen Grasarten z.B. Knäuelgras, Schilfrohr, Rohrglanzgras und Pfeifengras.

Gemeine Keiljungfer

Diese gedrungene Großlibelle, Gemeine Keiljungfer (Gomphus vulgatissimus L.), erreicht eine Körperlänge von etwa 5 cm und eine Flügelspannweite von 6-7 cm. Sie besiedelt mittelgroße, offene bis beschattete Fließgewässer sowie Brandungsufer von Seen, wo stabile Sand- oder Sand-Schlamm-Böden ohne dichte Wasserpflanzen vorliegen. Larven graben sich in die Gewässersohle ein und entwickeln sich in 2–3 Jahren.

Weinbergschnecke

In kalkreichen, feuchten Lebensräumen wie Waldrändern, Wiesen und ausgedehnten Kulturlandschaften lebt die Weinbergschnecke (Helix pomatia L.). Mit ihrem muskulösen Fuß und der Schleimspur kriecht sie etwa 3 Meter pro Stunde und zieht sich bei Gefahr vollständig ins Gehäuse zurück.

Vierflecklibelle

Eine häufige Libellenart, die Vierflecklibelle (Libellula quadrimaculata L.), ist an ihren vier deutlich erkennbaren dunklen Flecken auf den Flügeln zu erkennen. Die Art ist in Niedersachsen sehr häufig, sie fliegt von Anfang Mai bis Ende August. Bevorzugte Lebensräume sind nährstoffreiche, ganzjährig wasserführende Gewässer wie Teiche und Seen mit Ufervegetation zur Eiablage.

Plattbauchlibelle

Die weit verbreitete Plattbauchlibelle (Libellula depressa L.) bevorzugt offene Landschaften in der Nähe von stehenden oder langsam fließenden Gewässern (z.B.Teiche und Kiesgruben). Sie zeichnet sich durch exzellente Flugfähigkeit aus. Die Männchen haben einen auffällig blauen Körper während Weibchen und Jungtiere gelblich-braune Zeichnungen aufweisen.

Regenwurm

Regenwürmer (Lumbricidae) zersetzen organische Stoffe, verbessern die Bodenstruktur durch Gänge und machen Nährstoffe für Pflanzen verfügbar. Dadurch unterstützen sie das Wachstum vielfältiger Pflanzenarten und steigern die Artenvielfalt im Boden.
Sie fördern mikrobielle Aktivität, Wasserinfiltration und Kohlenstoffspeicherung, wodurch ganze Nahrungsketten stabilisiert werden. Sie gelten als Schlüsselart für stabile Ökosysteme.

Zimtbär

Ein Nachtfalter aus der Familie der Bärenspinner, der Zimtbär (Phragmatobia fuliginosa L.), auch Rostflügelbär genannt, erreicht eine Flügelspannweite von 30 bis 35 mm. Der Falter hat zimtfarbenen Vorderflügel, die einen schwarzen Punkt zeigen und leuchtend dunkelrote Hinterflügel mit schwarzen Punkten als Warnfärbung. Die Raupen überwintern und ernähren sich von Pflanzen wie Brombeere, Löwenzahn oder Greiskraut.

Gemeine Schlammfliege

Ein in Europa weit verbreitetes Insekt ist die Gemeine Schlammfliege (Sialis lutaria L.), sie bewohnt die Ufer langsam fließender Bäche, Flüsse, Teiche und nährstoffreicher Seen. Ausgewachsene Tiere sind 10–20 mm lang und haben eine Flügelspannweite von 22–35 mm, die Larven leben in pflanzenreichen Gewässern, während sich die ausgewachsenen Tiere in deren Nähe aufhalten.

Köcherfliege

In Deutschland kommen etwa 290 Arten von Köcherfliegen (Trichoptera) vor. Sie sind eine Insektenordnung, die vor allem durch ihre aquatischen Larven bekannt ist, sie leben im Wasser und bauen schützende Köcher aus Sand, Steinchen, Pflanzenresten oder Seide. Erwachsene Köcherfliegen ähneln Kleinschmetterlingen mit behaarten Flügeln (3–68 mm Spannweite) und langen Fühlern. Sie sind meist nachtaktiv und fliegen von März bis November.